Kurz davor.
Nein. Nein. Nein. Nein. Doch. Nein. Nein. Nein. Ich hab's versprochen. Nein. Nein. Nein. Doch. Nein.
"Wie war's?"
"Scheiße. Wie immer"
"Du hast fuer nichts mehr Interesse!"
Ja mach mich fertig. Ich bin ja nur grade zur Tuer reingekommen.
"Du verdummst doch nur noch!"
"Nein" schreie ich waehrend ich die Tuer hinter mir zuschlage.
"Komm wieder her!"
Ich habe keine Lust auf einen Streit. Nicht heute. Nicht jetzt. Aber es ist ja immer so wenn man Geheimnisse hat.
Ich atme genervt aus und oeffne die Tuer. "Was?!"
"Kannst die Tuer wieder zu machen und her kommen." Mutters Ton ist angriffslustig. Ich kenne ihn. Vor dem brauch' ich keine Angst haben. Ich weiß das ich um vieles staerker bin als meine Mutter. Was aber auch nicht schwer ist.
"Du verdummst" wiederholt sie. Nebenbei schneidet sie Kartoffeln. Ein Teil von mir wuenscht sich sehnlichst, dass sie sich in den Finger schneidet. Ein anderer Teil wuenscht sich das Messer in meine eigene Hand.Ich bin wuetend. Sie weiß von nichts, aber erlaubt sich ein Urteil. Ich hasse es. Ich bekomme immer Aerger in solchen Situationen, auch wenn es nur ist, weil meine Eltern nicht so gut im diskutieren sind. Nicht immer.
"Du hast aber echt keine Interessen mehr" sie schaut mich nicht an. Ihr Blick ruht auf der Arbeit in ihren Haenden.
"Natuerlich hab' ich Interessen!" werfe ich ihr an den Kopf. Ich koennte ausrasten. Wut. Hilflose Wut. Traenen steigen mir in die Augen. Sie versteht es einfach nicht. Wie auch. Sie ist nicht ich.
"Dann zaehl doch mal auf!Wofuer interessierst du dich denn noch?!" Mein Gesicht wird zu einer Maske. Meine Gedanken rasen durch meinen Kopf. Gitarre. Reiten. Aehm, wie lange hatte ich die Gitarre nicht mehr in der Hand? Zwei Wochen? Nein..Reiten? Kotzt mich an, nein. Sonst..schreiben? Nein. Ich will ihr nicht davon erzaehlen. Wofuer ich mich interessiere? Freunde. Meine Probleme. Na klasse. Eins zu null fuer Mom.
"siehst du" sagt sie ruhig. Ich wuenschte sie wuerde mich anschreien. Dann haette ich mehr Grund zurueck zu schreien.
"Du hast doch so viel angefangen. Wieso machst du nichts mehr?" Kapiert sie's nicht? Ich hab's ihr schon so oft gesagt.
"Ich KANN eben nichts, MUTTER" letzteres betone ich staerker als noetig. Ausdruck soll's haben, ja.
"Natuerlich kannst du etwas."
"Aeeehm nein?!"
"Und was ist mit`m reiten?" Bamm in your face, denke ich mir. Genau..da war ja noch ein anderer Grund weswegen ich wuetend war.
"Tolle Interessen die du da hast" beurteilt sie. Genau. Uuuuund hier kommt der Wasserfall.
"Ich hab eben zur Zeit andere Probleme!" werfe ich ihr an den Kopf. Haette mehr Wirkung gehabt, wenn sie wuesste was waer'.
"Was hast du denn bitte fuer Probleme" lacht sie. Ja genau. Wie ich meine Mutter kenne.
Mein Blick wird glasig. Ich schaue durch sie hindurch und sehe mich selbst mit einer Gitarre in der Hand. Verzweifelt schlage ich damit auf den Boden, immer und immer wieder. Das Krachen des Holzes ist wie ein Befreiungsschlag. Ich sehe mich vor dem Spiegel stehen. Duenn. "Stimmt" ich drehe mich um und gehe in mein Zimmer. Das Bild verschwindet vor meinem inneren Auge und stattdessen sehe ich mich nun selbst im Spiegel. Nicht dick. Nicht duenn. Ich sehe die schwachen Kritzeleien von gestern. Unterschriften meiner Freunde. In Liebe auf mir verewigt. Jedenfals fuer einige Zeit. "Ich gehoere Sa.!" und P.'s unheimlich cooles "BÄD". "Ph? ich unterschreib fuer dich gleich mit" hatte P. gesagt und groß den Namen auf meinen Arm geschrieben. Blau. Ph. besah es und sagte "Nein da fehlt noch etwas". Schnell verbesserte er die i-Punkte zu kleinen Herzchen und machte unter seinen Namen noch ein Großes. Ich war geruehrt. Ich war verletzt. Warum blieb mir letztendlich nur die Erinnerung? Ich war allein. "Nein" fluesterte ich unter Traenen, "ich habe keine Probleme." Sarkasmus.
Draußen zwitscherten die Voegel, als ich weinend vor dem Spiegel zusammenbrach.
Das Leben ist die reinste Ironie.

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